Die Wirren der Kreuzzüge sind, abgesehen von Experten, den meisten vielleicht nur aus "Robin Hood" bekannt. König Richard kehrt nach siegreicher Schlacht über die Sarazenen heim, keine Sekunde zu spät um Marian mit dem König der Diebe zu vermählen – Die Welt ist wieder in Ordnung, alle leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.
Das es irgendwann um 1189 vor den Toren von Akkon im sagenumwobenen Templerorden nach dem Tode des Großmeisters zu rumoren begann, ein Machtkampf um die höchste zu vergebende Stelle entbrannte und aus diesem Thema noch ein Brettspiel zu basteln sei, wussten vielleicht bis jetzt nur die Autoren Knut Happel und Christian Fiore.
In deren Brettspiel-Umsetzung Akkon bemühen sich die Spieler in den vier Bereichen Macht, Gold, Ansehen und Glauben-verbreiten, repräsentiert durch Wertungsleisten auf dem Spielbrett, ihre Kontrahenten auszustechen. Der Fähigste gewinnt und darf als neuer Großmeister den Orden anführen.
Das Spiel ist aufgeteilt in zwei Phasen, die Biet- und die Kartenrunde. In der Bietrunde können die Spieler mit ihren sieben Spielsteinen auf die Städtekarten, als Stapel in den sechs Städten ausgelegt, verdeckt bieten. Die Spielsteine haben unterschiedliche Werte und Fähigkeiten, so gibt es beispielsweise Tempelritter der Werte fünf bis acht, sogenannte Graumäntler oder Söldner, welche die Höhe des Gebots beeinflussen und einen Kaplan, welcher für die folgende Kartenrunde von Vorteil sein kann. Der Startspieler der jeweiligen Runde erhält eine Figur als Bonus zusätzlich (Seneschall genannt). Logischerweise erhält der Höchstbietende einer Stadt die oberste Karte des Städtestapels und die Bietrunde endet. Für die folgende Kartenrunde ist es wichtig, nicht alle Spielsteine schon vorher verpulvert zu haben, damit die vielleicht unter größten Opfern ergatterten Karten nicht nutzlos und ungespielt auf der Hand verbleiben. Denn in dieser Runde können die so wichtigen Attribute Macht, Gold, Ansehen und Glaube mit Hilfe der Städtekarten verändert werden. Möchte man eine Karte ausspielen, bezahlt man den aufgedruckten „Preis“ (hatte man den Kaplan gesetzt, einen Punkt weniger) und folgt den Anweisungen auf selbiger, wie beispielsweise den Marker auf seiner Macht-Wertungsleiste um einen Punkt höher zu setzen. Es gibt aber auch noch interessantere und damit zugleich lustigere Karten. Einmal bekommt man plus zwei Punkte auf der Wertungsleiste bei Glauben und muss den Marker eines Mitspielers um zwei Punkte bei diesem Attribut senken. Ein Andermal muss ein Mitspieler einem zwei Tempelritter für die nächste Runde abtreten. Man kocht also bei Akkon nicht nur sein eigenes Süppchen, sondern kann seinen Mitspielern auch mal gehörig ihres versalzen. Wer in einem Bereich der Beste ist erhält ein sogenannte Privilegienkarte, welche den Spieler mit Sonderfähigkeiten ausstattet.
Sind alle Karten einer Stadt aufgebraucht, endet das Spiel, es werden der höchste und der niedrigste Wert eines Spielers zusammengezählt. Derjenige mit dem höchsten Punktestand gewinnt. Bei Akkon stellt sich das Gefühl eines Gerangels als Machtkampf mit allen Gemeinheiten sehr gut ein. Den Kontrahenten auf der vermeintlichen Zielgeraden Knüppel zwischen die Beine zu werfen hat einiges für sich und gibt dem Spiel bei all seiner Abstraktheit Würze.
Eine gute Balance zwischen Zufall und Taktik, zusammen mit der Möglichkeit des Bluffens beim Bieten machen Akkon zu einem ausgewogenen Spiel, welches man gerne öfters hintereinander spielt. Zusätzlich sind die Illustrationen hübsch und passend gestaltet. Aber bei allem Lob: Der Eindruck, dass das Thema des Spiels austauschbar ist stellt sich schnell ein. Man fragt sich, ob nicht ein weniger belastetes Thema wie das der Kreuzzüge passender gewesen wäre, eben weil sich diese Epoche nicht gerade als Glanzzeit des Abendlandes auszeichnet. Geschmackssache halt.
Ein anderer Punkt ist der, dass die Holz-Spielsteine mit durchsichtigen Aufklebern versehen sind, welche zum Teil nicht nur schlecht ablesbar (schwarz auf schwarz), sondern auch unschön sind. Dies ist aber der noch verhältnismäßig kleinen Auflage des Spiels zuzuschreiben und könnte bald behoben werden.
Also Jungs und Mädels, was heißt das für uns? Akkon spielen! Dann wird’s noch mal so gut.