Und bald sind wir alle verloren: Falls wir das Unheil nicht abwenden können wird in Kürze der "Große Alte" erwachen und das Ende der Zeiten wird beginnen.
Fast zwanzig Jahre nach dem das Original von Arkham Horror in den Verkauf kam erhielt es jetzt nicht nur einen neuen Anstrich, sondern wurde auch inhaltlich abgerundet und auf Vordermann gebracht. Anstrich? Nein, das trifft es nicht: Das Spiel ist wunderschön mit viel Liebe zum Detail gestaltet und transportiert optisch das Spielthema so treffend, dass es den Spieler förmlich in seine Welt eintauchen lässt, die schaurig und schön zugleich ist.
In der fiktiven Stadt Arkham steht das Erwachen eines "Großen Alten" bevor, einer nicht irdischen Wesenheit, die aus dem Raum zwischen den Welten versucht auf die Erde zu gelangen und das Ende der Zeiten einzuleiten. Tore in andere Welten öffnen sich, Monster tauchen auf und durchstreifen die Straßen. Die Spieler, von denen es zwischen einem und acht gibt, schlüpfen in die Rollen von Ermittlern - 16 verschiedene Einwohner oder Besucher der Stadt - und versuchen das Unheil mit allen Mitteln aufzuhalten und das Erwachen abzuwenden.
Kooperatives Brettspiel: In Arkham Horror gibt es die Guten und die Bösen. Die Spieler sind die Guten und spielen alle zusammen gegen eine zufällig agierende Böse Bedrohung. In diesem kooperativen Brettspiel kommt es darauf an seine Aktionen zu koordinieren und zusammen zu arbeiten um sich überhaupt eine Siegchance zu erhalten. Die Spielerzahl ist sehr variabel und da die Gegenseite ausschliesslich durch Karten gesteuert wird und die Schwierigkeit mit der Spieleranzahl zunimmt kann man das Spiel tatsächlich auch alleine spielen. Erst ab 3-4 Spielern allerdings wird das Spiel richtig umwerfend.
Das Spiel bedient sich nicht nur Rollenspielelementen - die gespielten Charaktere, besitzen mehrere unterschiedliche Eigenschaften, individuelle Fähigkeiten, und eine kurze stimmungsvolle Einleitungsgeschichte weshalb sie in Arkham und wie sie in das Geschehen verwickelt sind - sondern bedient auch viele Klischees, die sehr schön aufgearbeitet sind und das Spielgeschehen unterstreichen: der Trenchcoat tragende Detektiv, der Gangster mit rasselndem Maschinengewehr, der Archäologe mit Peitsche, Revolver und Hut (der wahrscheinlich nach dem Hund seines Vaters benannt wurde [Anm. d. Red.]) begleitet von einem Fotografen, einer Wissenschaftlerin und einer Nonne kämpfen gegen Geister, Hexen, Kultisten, Zombies und deren Monsterkumpels. Die einzelnen Großen Alten - zu Beginn jeden Spieles wird einer ausgewählt oder zufällig bestimmt, der Arkham bedroht - stammen alle aus dem Umfeld des Cthulhu-Mythos und haben ebenso verschiedene Eigenschaften, was dem Daurspielspass sehr entgegen kommt.
Die Ermittler sammeln während des Spiels im düsteren Arkham Hinweise über den Mythos, der die Stadt bedroht, bereisen die Anderen Welten, schließen Tore, und kämpfen gegen Monster und versuchen dadurch nicht die Oberhand in der Stadt an den Großen Alten zu verlieren. Nebenher will man sich auch noch bis an die Zähne bewaffnen oder bis an die Kinnlade mit Zaubersprüchen bepacken um sich auf den worst case vorzubereiten: denn wenn alles nichts hilft müssen die Ermittler zusammen gegen den Großen Alten ran und alles an Bleikugeln, Dynamit, Feuerbällen und Weihwasser aufbieten um den soeben Erwachten ohne Umwege zurück in die Zwischenwelten zu schicken.
Das Unheil abwenden: Ob der Alte erwacht, oder schon davor zurückgedrängt wird, ob die entscheidende Schlacht erfolgreich oder nicht zu Ende geht, alle Spieler gewinnen oder verlieren zusammen. Dadurch kommt nicht wirklich viel Frust auf und jede Niederlage zeugt zumindest von mehreren Stunden einer spannenden Geschichte in den Zwanziger Jahren in Arkham.
Mal ganz unter uns: Richtige Fans vom Cthulhu-Mythos und H. P. Lovecrafts Geschichten haben sich bestimmt schon die englische Orginalausgabe des von FantsyFlight neu aufgelegten Spiels geholt und sind schon lange in Arkham auf Geisterjagd. Die deutsche Ausgabe bringt das Spiel dennoch dem breiteren Publikum näher. Dabei ist Arkham Horror bestimmt kein geselliges Familienspiel, sondern schon eher ein Spiel, das man bei Kerzenlicht und Vollmond in stimmungsvoller Atmosphäre spielen und erleben kann. Auch um das umfangreiche und nicht ganz einfache Regelwerk führt kein Weg herum. Doch für die Mühe wird man mit 2-4 Stunden Horror-Spielspass entlohnt, der in gefühlt nur einer Stunde verflogen sofort zum erneuten Spielen auffordert.
In der prall gefüllten Schachtel von Arkham Horror steckt nicht nur ein Rollen- und Brettspiel, sondern eine ganze mit Leben - und Untoten - erfüllte Stadt, die auf H. P. Lovecraft erschaffenem schummrig schönen, blutig monströsen Mythos um Cthulhu und Konsorten basiert.