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Black Pete - Magazin für herausfordernde Brettspiele

Carcassonne

05.09.2010
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Südfranzösische Landschaften bauen und mit seinen Figuren ("Gefolgsleuten") zu besiedeln ist einfacher als man denkt - zumindest auf dem Wohnzimmertisch. Wer allerdings denkt es geht um Mittelalter, Festungsanlagen und Ketzerei - wie es die Verpackungsrückseite verspricht - erwartet Falsches von Carcassonne.

Die Plättchen gemischt, die Figuren Verteilt, die Startkarte rausgesucht, schon kann es losgehen! Das Spiel an sich ist recht schnell erklärt: Reihum zieht jeder ein verdecktes Landschaftskärtchen. Dieses darf er dann, möglichst zum eigenen Vorteil, nach Belieben an die schon ausliegende Landschaft anlegen und auf dem soeben gelegten Plättchen - je nachdem was darauf abgebildet ist - einen eigene Gefolgsmann einsetzen.
Klingt einfach - ist es auch! Aber auf keinen Fall langweilig!

Die Gegend um Carcassonne und ihre Bevölkerung

Auf den sehr schön gestalteten, farbigen Landschaftskärtchen finden sich essentiell vier verschiedene Dinge: Stadtteile, Straßenabschnitte, Klöster und natürlich Wiesenstücke. Das Anlegen einer gezogene Karte ist im Spielverlauf natürlich nur möglich, wenn sie sinnvoll angelegt wird, also Weg an Weg, Stadt an Stadt, Wiese an Wiese.
So entsteht recht schnell der erste Eindruck einer Landschaft auf dem Tisch: da sind kleine Städtchen, erste Straßen und Klöster und der Anfang der einen oder anderen Großstadt.

Die eigenen Gefolgsleute lassen sich in verschiedenen Rollen einsetzen. Als Ritter (Stadt), als Wegelagerer (Straßen), Abt (Kloster) und als Bauer (Wiese). Allerdings kann man nur auf noch nicht besetze Stadtteile, Wiesen und Straßenabschnitte setzen. Durch geschicktes Anlegen ist es aber möglich schon besetze Teile zu verbinden, so dass sich zum Beispiel auch mehrere Ritter in einer Stadt befinden. Dadurch kommt eine wichtige Komponente mit ins Spiel: Es gibt Machtkämpfe in besonders lukrativen Städten, ohne die manche Großstadt nie fertig gebaut werden könnte - aber auch so manche zu Grunde geht - auf großen Wiesen und manchmal auch auf sehr langen Straßen.

Punkten, Taktik und Material

Jeder Spieler hat nur 7 Gefolgsleute. Sobald allerdings eine Straße, eine Stadt oder ein Kloster abgeschlossen wird erhält nicht nur derjenige der dort die Überzahl an Gefolgsleuten hat Punkte dafür, sondern jeder bekommt beteiligte Gefolgsleute zurück und kann sie im weiteren Spielverlauf wieder einsetzen. Nur die Bauern, die bleiben auf ihren Wiesen bis zum Spielende.

So werden also alle Plättchen ausgelegt, Gefolgsleute in verschiedenen Positionen eingesetzt und Punkte gesammelt. Alles? Nein, am Spielende gibt es noch eine große Wertung: Alle nicht abgeschlossene Bauten und die Wiesen werden noch gewertet: Wer die Überzahl an Bauern auf einer Wiese hat bakommt für jede angrenzende fertiggestellte Stadt Punkte.

Die Spielschachtel ist schön dekoriert - weder Hui noch Pfui. Leider ist der Rückseitentext etwas überzogen, denn von dem erwähnten "Kampf der Ketzer gegen die mittelalterliche Kirchenpolitik" ist im Spiel weit und breit nichts zu finden.
Das Spielmaterial ist schön gestaltet und nicht sehr umfangreich - sicherlich ein Pluspunkt aus der Sicht von Gelegenheitsspielern, die meist von vielen verschiedenen Figuren, Skalen und Kärtchen eher ein bisschen verschreckt werden. Dass die Spielanleitung nur vier Seiten umfasst liegt mehr daran, dass das Spiel einfach gehalten ist, als daran, dass sie unvollständig oder unzulänglich genau wäre. Ganz im Gegenteil: Ausführliche Beispiele lassen keine Fragen offen und die Strukturierung ist gelungen. Jedermann sollte damit gut klar kommen.

Jetzt mal Tacheles: Spielspass?

Die Steine im Brett hat Carcassonne dadurch, dass es sehr einfach ist, man es also innerhalb von 5 Minuten auch Brettspiellaien erklärt hat und durch seine Variabilität. Kein Spiel ist wie das andere. Das Spiel ist aber leider sehr zufallsbasiert, da man auf die Kärtchen, die man Spielen muss keinerlei Einfluss nehmen kann, und der Spielfluss leidet ein wenig, wenn man lange probiert um diesen "einen genialen Zug" zu machen, mit dem jetzt keiner gerechnet hat, der aber in Carcassonne eigentlich nie möglich ist.

Als Familienspiel und in Spielrunden, in denen der Gewinngedanke nicht unbedingt im Vordergrund steht ist Carcassonne aber sehr gut geeignet und bringt auch Langzeitspielspass.
In anderen Spielrunden ist Carcassonne auch sehr unterhaltsam - zumindest die ersten paar Spiele lang. Leider ist es aber nicht fesselnd genug und der Wunsch nach einer Erweiterung kommt auf – zum Glück gibt es schon mehrere.

Auf der Rückseite der Verpackung heißt es auch noch: "Besonders gut für 2 Spieler"... das ist so nicht ganz richtig, denn das einzige was besonders gut funktioniert beim Spiel zu zweit ist, dass man häufig dran ist und so viel vom Spiel mitbekommt. Normalerweise werden im Spiel zu zweit auch mehr Städte, Straßen und Klöster tatsächlich fertiggestellt, dafür wird weniger um die Vorherrschaft gerungen - was ein sehr wesentlichen Teil des Spielspasses zunichte macht.

Fazit: Einfaches Kartenlegespiel für die Generationen übergreifende Familienrunde

jps

Bewertung

62 Punkte
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