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Black Pete - Magazin für herausfordernde Brettspiele

Civilization

20.05.2012
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Die Namensverwandtschaft mit dem gleichnamigen Computerspiel-Klassiker ist durchaus kein Versehen, handelt es sich hierbei um die Adaption dessen – und stellt sich hier als durchaus gelungen dar.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Plug-and-Play gibt’s bei Civilization nicht, denn neben dem Wälzen einer wahrhaft epischen Anleitung sollte man sich vor Spielbeginn zum nächsten Möbelhaus begeben und sich dort Aufbewahrungsmöglichkeiten für die 754 (!) Kunststoff-Figürchen, unzähligen Spielkarten, Marker und Pappmünzen besorgen – und wenn man schon da ist vielleicht auch einen neuen Tisch für das nahezu quadratmeter große Spielbrett und die Kurzregel-Blätter im DIN-A3-Format.

Nachdem die blutenden Hände vom ausbrechen der Einzelnen Bestandteile aus den Kunstoffrahmen ausreichend gepflastert sind, kann man sich getrost die Mitspieler einladen, aber nicht ohne sich von denen vorher versichert zu haben das diese auch ausreichend Zeit mitbringen können, denn je nach Variante (Einsteiger oder Fortgeschritten) dauert ein Spiel selbst mit Vorkenntnis der Regeln zwischen acht und zwölf Stunden.

Das Ziel des Spiels ist kein geringeres als die eigen Zivilisation zur Führenden zu erheben was de facto der Weltherrschaft gleichkommt. Erreicht wird dies über Siegpunkte, welche am Ende ausgezählt werden und nach dem Stand des Erreichten vergeben werden, wie beispielsweise Anzahl der Siedlungen, Städte, etc..

Mit diesem Wissen just die Sandalen geschnürt wird mit Seemannsköpfer direkt in die erste Epoche, der Antike, eingestochen. Weiter geht´s dann in einer Art Zeitreise über das Mittelalter, das Industriezeitalter bis hin zur Moderne.

Das eigene Territorium wird auf der Weltkarte sukzessive erweitert durch neue Siedlungen, welche sich im weiteren Spielverlauf weiter bis hin zu Metropolen entwickeln können. Rohstoffe werden dabei gesucht und abgebaut um sich den Fortbestand seiner Eigenen Zivilisation zu sichern.

Klar das die Welt bei solch ungestümen Entdeckerdrang irgendwann zu klein ist und man sich mit den für jede Epoche eigenen Armeen gegenseitig auf den Detz hauen kann, sei es um den Anderen zu schwächen, oder um sein Rohstoffangebot etwas aufzupeppeln. Darüber hinaus sind Wohl und Wehe der Zivilisationen eng verknüpft mit dem Stand der Technologien, welche erst die wundersame Zeitreise ermöglichen und einen Vorteil im Gerangel um die Führung ermöglichen. Außerdem werden kleine Akzente der Religiosität den Minimenschen in Form von Wundern gewährt mit aber dann doch profanen Auswirkungen, wie beispielsweise Siegpunkten.

Gespielt wird in einem festen Rhythmus in vier Phasen: Bewegung und Kampf, Handeln, Produktion, Kaufen.

Civilization besitzt bei allen strategischen Möglichkeiten doch eine ausgeprägte Glückskomponente, da Kämpfe ebenso wie knappe Rohstoffe über Würfel ermittelt werden. Zusätzlich werden die Rohstoffe als umgedrehte Plättchen und nach dem Zufallsprinzip auf den einzelnen Ländern verteilt von den Spielern durch ihre Siedler „entdeckt“, was unter Umständen zu einer Ungerechtigkeit ganz ohne Eigenes Verschulden führen kann.

Nun, was zum Henker soll man jetzt davon halten?

Es ist schwierig Civ zu bewerten, da der Spielspaß hier stark abhängig ist von der Art der Spielerrunde, der Anzahl der Spieler und selbstverständlich von der Regelvariante.

Es bleibt daher festzuhalten: Die Fortgeschrittenenregel muss nicht sein, denn diese bringt nur unsinnigen bürokratischen Aufwand mit sich und hemmt den Spielfluß ganz entscheidend bei einem Minimum an Gewinn der Spieltiefe.
Große Spielerrunden mit zögerlichen Spielern verträgt das Spiel genauso wenig, da es dabei gut möglich ist zwanzig Minuten und mehr auf seinen Zug zu warten.
Was bleibt ist, nach diesen zugegebenermaßen starken Einschränkungen, ein großartiges Spiel, welches mit seinem System der ständigen Belohnung, mit seiner starken interaktiven wie diplomatischen Komponente und in seiner optischen Gestaltung so sehr gelungen ist das man sich den Repeat-Knopf am Spielbrettrand gerne wünscht. Nur der nötige Aufwand den man betreiben muss und die Tatsache das man erst einige Spiele braucht um das Spiel für sich und seine Mitspieler spielbar zu machen trüben das Bild.

Aber hey: Fünf kilo Spiel für fünfzig Euro, das ist schon was, auch wenn man die Figürchen nur wie früher, als man noch klein war, zum „Krieg spielen“ nimmt.

rob

Bewertung

86 Punkte
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