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Black Pete - Magazin für herausfordernde Brettspiele

Kill Doktor Lucky

30.07.2010
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Kill Doktor Lucky bezeichnet sich selbst als „Prä-Krimi-Brettspiel“, wobei gesagt werden muss, dass auch ausgemachte Krimi-Muffel durchaus Gefallen daran finden könnten - Salopp gesagt hört das Spiel dort auf, wo der allsonntägliche „Tatort“ im Ersten beginnt.

Und damit wären wir auch schon beim Kern des Spiels: Ziel ist es einen alten Knacker namens J. Robert Lucky umzubringen. Die Gründe dafür können für Sie als Spieler sehr vielfältig sein, die Anleitung gibt diesbezüglich zwar ein paar Anregungen (Erbschaft, seine Katze macht immer in Ihre Blumenbeete, etc.), dennoch sind Sie frank und frei, sich ein passendes Feindbild auszuklamüsern, Doktor Lucky damit zu versehen und den alten Bastard ganz nach Ihrem Gusto zur Hölle fahren zu lassen.

Die Regeln hierfür sind relativ einfach gestrickt, was das Spiel auch für unerfahrenere Spieler-Runden zwischen zwei und acht(!) Spielern ohne größere Probleme spielbar macht. Sie müssen Lucky in seinem altehrwürdigen Anwesen um die Ecke bringen um zu gewinnen, aber eben nur Sie allein - bringt hingegen jemand anderes den Mann um, haben sie verloren.

Ihr Vorhaben gestaltet sich allerdings schwierig, verfügt Lucky doch, der Name sagt es bereits, über erstaunliches Glück, was nicht mehr und nicht weniger dadurch bedingt ist, dass Ihre Mitspieler versuchen den Anschlag zu verhindern. Dies ist im Übrigen der eigentliche Witz des Spiels, denn versuchen die Spieler zwar jeder für sich den alten Mann umzubringen, so müssen sie aber bei jedem Mordversuch wieder durch das gemeinsame Zusammenlegen ihrer sogenannten "Fehlschlagkarten“ zusammenarbeiten um dem Doktor zu seinem sprichwörtlichen Glück zu verhelfen.

Ebenso förderlich in Puncto Spielspaß dürfte sich die Möglichkeit des bluffens erweisen: Tut man so als hätte man keine "Fehlschlagkarten", so müssen eben die Anderen für einen in die Bresche springen um das Spiel nicht vorzeitig zu eigenen Ungunsten enden zu lassen.

Es könnte sein, dass Sie meinten, Sie hörten bis jetzt nur irgendwie "Karten", dann liegen Sie damit goldrichtig, denn dies ist sozusagen die Essenz des Spiels. Es gibt zwar ein Spielbrett und Figuren, welche sich darauf bewegen dürfen, so ist das Spiel aber doch hauptsächlich abhängig vom geschickten und kreativen Ausspielen der Karten, welche sich, abgesehen von einem gewissen Grund-Kontingent, jeder Spieler im Verlauf des Spiels aneignen kann. Drei Arten gibt’s davon: oben genannte Fehlschlagkarten, Bewegungskarten und natürlich Waffenkarten.
Waffenkarten? Genau das ist er, der dem Spiel eigene Humor, der es möglich macht Doktor Lucky mit einer Zickzack-Schere das Lebenslicht auszupusten (keine Angst, für Splatter-Fans gibt's auch das gute alte Stihl Fichten-Moped).
Das Spielbrett offenbart sich als schwarz-weiß-gedruckter dünner Karton mit einfachster Illustration und ebenso einfach gehaltenen Spielkarten.
Dies hat Gründe: Die Spielentwickler, so wird erklärt, wollten dadurch die Produktionskosten niedrig halten. So ist es auch zu erklären, dass die Spielfiguren aus der heimischen Spielesammlung gestellt werden müssen und sich nicht in der Packung finden. Eigentlich ist das Pfiffig und es tut dem Spiel keinen Abbruch. Bei einem Einkaufspreis in Deutschland von knapp zehn Euro kann man das dann auch als in Ordnung gehend bezeichnen.

Im Großen und Ganzen haben die Leute von Truant gute Arbeit geleistet, indem sie in jedem Fall ein Spiel geschaffen haben, welches in seiner Spielidee gelungen ist und mit der sich abhängig von der persönlichen Morbidität jeder leicht identifizieren kann.
Kill Doktor Lucky bietet mit seinem ausgewogenen Verhältnis von Glück und Kombination für viele verschiedene Spielertypen etwas.

Theoretisch eignet sich Kill Doktor Lucky auch als Familienspiel, je nach Aufgeklärt - oder Abgebrühtheit der Kinder, besonders aber als Gesellschaftspiel in gemütlicher Runde, denn nichts ist schöner als einem alten Mann immer und immer wieder das Maul mit "verdorbener Sahne" zu stopfen - wie im Altersheim halt auch...

Fazit:

Schauerlich-Schönes Running-Gag-Gemetzel, welches für Prä-Krimi-Fans sehr empfehlenswert ist, oder so ähnlich.

rob

Bewertung

63 Punkte
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