Im Westen der englischen Hauptstadt, mitten durch das Viertel Notting Hill verläuft die Portobello Road. Und auf ihr ist der berühmte Portobello Market.
Wer hier einen Stand bekommen will muss sich entweder an die Verwaltung wenden und sich auf einen der schwer erhältlichen Stände auf den Hauptstraßen bewerben, oder sich an die Inhaber der Arkaden und Plätze wenden um sich ein wenig Fläche zum Feilbieten seiner Ware zu sichern. Soweit in London.
Auf dem Spielbrett im heimischen Wohnzimmer läuft das ganze ein wenig anders: Gassen, Plätze und Distrikte. Wer wirklich vorne mit dabei sein will, der muss schnell sein, die Initiative ergreifen, ein wenig Abschätzen was die anderen wohl vorhaben und - natürlich - etwas Glück beim Ziehen der Figuren haben.
"Spannender Marktaufbau für 2-4 Spieler" steht oben auf der Spielanleitung. Genau dieser Problematik widmet sich das Spiel Portobello Market von Schmidt Spiele. Die zwei bis vier Spieler versuchen die Gassen mit eigenen Ständen zu besetzen, sich dabei möglichst gegenseitig zu übervorteilen und die lukrativsten Ecken und Distrikte unter den Nagel zu reissen.
Hierzu stehen jedem Spieler gleich viele Marktstände zur Verfügung und mit der bei Rundenbeginn gewählten Anzahl an Aktionen kann jeder Spieler eigene Markstände platzieren oder die Plätze, die verschieden viele Gassen begrenzen, mit Figuren besetzen. Die Marktstände dürfen dabei nur in einem Distrikt platziert werden, in dem sich auch der Bobby aufhält. Dieser ist, zum Glück aller Beteiligten, nicht festgewachsen und kann auf dem Spielfeld frei bewegt werden. Allerdings ist jede Gasse die der in schwarz gekleidete Aufseher überquert sofort mit Punkten zu bezahlen und um das Dilemma vollkommen zu machen bekommt derjenige, der die überquerte Gasse mit seinen Ständen dominiert, diesen Punkt auch noch aufs eigene Konto gutgeschrieben! Da ist Rechenarbeit angesagt und die Route des Bobbys will wohl überlegt sein, aber ohne das kleine Einmaleins kann man ohnehin kein erfolgreicher Händler werden!
Die einzelnen Standplätze in den Gassen haben verschiedene Lukrativität, die in Form von Zahlen ( = Punkte) auf ihnen angegeben ist. Diese gibt es sofort, wenn die Gasse während des Spiels abgeschlossen wird - sonst gar nicht! Dazu muss sie voll bebaut sein und an jeder Seite von einer Figur flankiert werden. Je nachdem was sich für Figuren an den Enden der Gasse tummeln, werden die Punkte der eigenen Stände mit einem festen Faktor aufmultipliziert und auf der Punkteleiste gutgeschrieben. Am allerbesten jedoch ist es, wenn der Lord sich einer Gasse annimmt, denn dann rollt der Rubel auch bei nicht vollbebauten Gassen am Spielende! Dumm ist nur, dass sich der werte Herr gern viermal bitten lässt, und immer als letzte Figur auf dem Markt auftaucht...da muss man vorerst mit Kunden und Gehilfen vorlieb nehmen.
Außerdem kann man sich durch eine Distriktwertung ganze Distrikte unter den Nagel reißen. Das lohnt sich jedoch nur, wenn man den zu wertenden Distrikt schon ordentlich mit eigenen Ständen gepflastert hat. Diese Wertung bringt oft viele Punkte muss aber zeitlich gut abgestimmt sein.
Das Spiel Portobello Market ist ein gelungenes Zwischendurch-Spiel. Die Mechanismen sind einfach gehalten und die Spieldauer ist mit knapp über einer halben Stunde überschaubar. Große Stärke von Portobello sind die, trotz der einfach gestrickten Regeln, sehr unterschiedlichen Spielmöglichkeiten der Spieler: kein Spiel ist genau wie die Spiele davor. Das macht das Spiel zum Langzeitspielspass-Kandidat, das man gerne mehrere Male hintereinander spielt. Auch die Wertungen, die sofort durchgeführt werden tragen zum Spielfluss bei und halten einen über die Positionierungen der anderen auf dem Laufenden. Zwischendurch, jedoch, wird das Taktieren und Platzieren der Stände zur reinen Rechenangelegenheit, so dass sich meist kein wirklicher Überraschungseffekt einstellt. Dieses Manko nimmt dem Spiel ein klein wenig an Fahrt, denn wenn sich ein Mitspieler genügend Zeit nimmt wird er sicherlich die beste Möglichkeit seine Aktionen einzusetzen finden, und diese somit auch wahrnehmen. Das Spiel wird dadurch etwas abstrakter, doch das stört den Spielfluss und -spaß nicht wirklich. Thomas Odenhoven ist es hier gelungen ein unterhaltsames, schnelles und cleveres Spiel aufs Brett umzusetzen.
Ob in London oder sonstwo auf der Welt: "Spannender Marktaufbau für 2-4 Spieler" macht ordentlich Spaß und man denkt sich insgeheim: "Everyday should be market day!"