Plündern, Kriegsschiffe, Überfälle, brennende Dörfer, Helme mit Hörnern, blutverschmierte Streitäxte, Nordamerika, Barbaren, nochmal Plündern. So, oder so ähnlich, sieht eine Stichwortsammlung zum Thema 'Wikinger' aus. Dass das Volk der Seekrieger aber auch anderen Haupt- und Nebenbeschäftigungen nachgegangen ist wird einem auf jeden Fall deutlich, wenn man sich die Anleitung zum Hans im Glück Titel 'Wikinger' zu Gemüte führt. Dort geht es nämlich nicht um das kriegerische und barbarische Dasein der einzelnen Sippen, sondern ausschließlich um Inseln und deren geschickte Besiedelung mit Handwerkern, Adeligen und Kriegern.
Jede Runde - davon gibt es immer 6 pro Spiel - werden reihum Kombinationen bestehend aus Spielfiguren und Landschaftsplättchen erworben und an das eigene schon entdeckte Land angebaut. Die einzelnen Kombinationen werden zu Beginn jeder Runde um das Drehrad platziert, das festlegt wie viele Münzen von 0 bis 11 man für die jeweilige Kombination berappen muss. Wird die Kombination für 0 (in Worten: Null) genommen dreht man das Rad weiter, bis wieder eine Kombination umsonst zu haben ist. So wird man nicht sein ganzes Geld in einer Runde los, sondern hat auch noch ein bisschen was für später erwerbbare Leckerbissen. Apropos Gold: Das ist in Wikinger sehr wichtig, da es der einzige Grund ist, der gegen bestimmte und für andere Kombinationen spricht. Dabei ist Timing und das Einschätzen der Mitspieler aber natürlich auch ein wenig Glück sehr wichtig.
Die Spielfiguren sind nach Farbe einzelnen Bevölkerungsschichten zugeteilt und können ausschließlich in der jeweils zugehörigen Reihe platziert werden. Ist das nicht möglich beziehungsweise gewünscht wandert die Figur erstmal aufs Festland um im späteren Spielverlauf von Bootsmännern auf ihrer Bestimmungsinsel ausgesetzt zu werden und dort zum Dienst verdonnert ihr Dasein für den Rest des Spiels zu fristen. Dabei ist die Taktik sehr entscheidend, denn nur wenn ein Adliger oberhalb eines Goldschmieds oder Fischers steht sind diese beiden "produktiv" und werfen somit Gold und Siegpunkte ab. Jedes angreifende Drachenschiff verhindert dies, wird es jedoch von einem Krieger abgewehrt gibt es zusätzlich Siegpunkte oder Gold. Nach jeder Runde gibt es unterschiedliche Wertungen. So bekommt man in jeder Zweiten Runde nur ein wenig Gold um weitere Einkäufe zu tätigen und in den restlichen Runden werden Siegpunkte verteilt. Außerdem wollen die Inseln ordentlich aneinander gelegt werden gibt es doch am Ende noch Extrapunkte für die meisten abgeschlossenen und die größte Insel. Derjenige, der dann noch mit den meisten Bootsmännern aufwarten kann, deren Füße trocken geblieben sind, da sie niemanden auf eine Insel befördern mussten bekommt auch noch Punkte dazu. Auch Hunger haben die eigenen Stammesangehörigen am Ende des Spiels - und nur dann. Wenn die eigenen Fischer die Sippe mehr als nur sättigen gibt es noch ein paar Punkte oben drauf, genauso so gibt jeder hungrig gebliebene Wikinger einen Punkt Abzug.
Wikinger ist von den Regeln her ein ganz einfach gehaltenes Spiel, das aber durchaus viele taktische Möglichkeiten bietet. Allerdings sind diese schwer gezielt einzusetzen. Vor allem im Spiel zu viert ist es beinahe unmöglich wirklich gezielte Einflüsse auf das Spielgeschehen geltend zu machen, da zu viel Zufall mit dabei ist. Oft kommt man an den Punkt wo man seine vorherigen Überlegungen über Bord wirft, dem Hettmann - hier Schicksal - zunickt und die Riemen mit voller Kraft an den Leib zieht. Man erwirbt dann einfach aufs Geratewohl eine Kombination, die einem sinnvoll erscheint. Dadurch verliert das Spiel ein wenig an Strategischem Moment, aber nicht an Fahrt.
Wikinger ist ein Spiel das nicht nur ein paar Zusatzregeln von Haus aus mitliefert, sondern sogar eine ganze Fortgeschrittenen-Version. Diese besteht aus zusätzlichen Landschaftsplättchen und ein paar weiteren Verfeinerungen. Die Zusatzplättchen sind aber zu viel des Guten, denn lässt man sie weg und nimmt einige andere der optionalen Regeln mit dazu - wie zum Beispiel die Versteigerung des Startspielers und den fortgeschrittenen Aufbau der Kombinationen um das Drehrad - dann hat man mit Wikinger ein sehr unterhaltsames Spiel vor sich, das jeder gerne auch zwei- oder dreimal mitspielt. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Spiele wegen der Landschaftsplättchen und der zufälligen Kombinationen trägt außerdem sehr zu Dauerspielspaß bei.